Italo kauft 26 Siemens Velaro

Liebe Leserin, lieber Leser,
die Spanier sind Fußball-Weltmeister – doch der spanische ICE L muss schon wenige Tage nach seinem Ersteinsatz nach Oberstdorf wieder durch einen IC1 ersetzt werden. Vielleicht steigen ja bald die Ambitionen und die Verfügbarkeit. Hohe Ambitionen haben bekanntlich auch die Italiener: Just gestern wurde die Entscheidung um den Markteinstieg Italos getroffen. Wie immer findest du hier alles spannenden Neuigkeiten aus der vergangenen Woche!
Viel Spaß beim Lesen wünscht DirJonas von bahnblick
- Eine direkte Verbindung auf der Relation Wien – Budapest – Belgrad soll mit der Eröffnung eines neuen Grenzübergangs an der ungarisch-serbischen Grenze erstmals wieder möglich werden.
- Das italienische Privatunternehmen hat entschieden: Und zwar positiv. Zunächst 26 dem ICE 3neo ähnliche Siemens Velaro werden bis 2028 beschafft, um der DB Konkurrenz zu bieten.
- Schon 2024 wollten die SBB eigentlich neue Fahrzeuge ausschreiben, um Einheitswagen IV und IC 2000 mittelfristig ausflotten zu können. Mehr zu den Hintergründen und aktuellen Erwägungen.
Österreich
ÖBB bauen Überholbahnhof auf Neuer Unterinntalbahn
Seit 2012 gibt es die Neue Unterinntalbahn zwischen Wörgl und Innsbruck bzw. Kundl und Baumkirchen. Mit bis zu 220 km/h Höchstgeschwindigkeit bildet sie seitdem das Rückgrat für den Güter- und Fernverkehr, während der Regionalverkehr auf der alten Bestandsstrecke verdichtet verkehren kann. Nun beabsichtigen die ÖBB, die Leistungsfähigkeit der Neubaustrecke, welche bekanntlich künftig bis Kufstein und als Brenner-Nordzulauf weiter nach Deutschland verlängert werden soll, weiter zu steigern.
Im westlichen Tunnel der Strecke, dem Terfnertunnel, ist im Bereich Vomp ein zusätzlicher Überholbahnhof für Güterzüge, welche durch schnellere Fernverkehrszüge überholt werden, vorgesehen. Dieser war baulich bereits vorbereitet und so muss kein neuer Tunnel ausgebrochen, sondern lediglich die benötigte Eisenbahninfrastruktur eingebaut werden. Diese Option wird nun aktiviert. Ein drittes und viertes Gleis werden auf einer Länge von rund zwei Kilometern nun mit acht Weichen inklusive Leit- und Sicherungstechnik und Oberleitung angeschlossen. Auf der gesamten Neubaustrecke gibt es bereits ETCS, welches auch weiterhin in Betrieb bleibt. Jedoch sollen bislang ergänzende Lichtsignale zurückgebaut und Blockabschnitte verdichtet werden. Fahrzeuge, die nicht ETCS L2oS-fähig sind, können damit künftig nicht mehr auf der Strecke unterwegs sein, während die Strecke aber für alle anderen Züge leistungsfähiger wird.
Die Arbeiten befinden sich bereits in Umsetzung: Seit dem 10. Juli und noch bis Ende dieser Woche (25. Juli) ist der östliche Münsterertunnel gesperrt; dann folgen drei Tage Gesamtsperre. Bis 14. September ist dann im Terfnertunnel alles dicht und die genannten Arbeiten werden umgesetzt. Fernverkehrszüge werden über die Bestandsstrecke umgeleitet, im Regionalverkehr verlängern sich Fahrzeiten und der Interregio entfällt zwischen Wörgl und Innsbruck.

Störungen auf Weststrecke und Koralmbahn
Am vergangenen Donnerstag (16.7.) kam es auf der Weststrecke zwischen Linz und St. Valentin zu einer gerissenen Oberleitung östlich von Linz. Diese Oberleitung stürzte zu Boden; infolge des dann entstehenden Kurzschlusses kam es zu einem kleineren Brand – Ausgerechnet im Bereich nebenliegender Kabel, die zu einem Stellwerk gehören. Diese Kabel sowie die Oberleitung selber wurden in den darauffolgenden Tagen repariert, wobei die Strecke erst seit gestern wieder offen ist. Railjet Express, ICEs sowie Nachtzüge wurden über die Altstrecke umgeleitet, während etwa Intercity-Verbindungen in St. Valentin bzw. St. Valentin ausfielen. Auch die Westbahn fuhr nur einmal pro Stunde – ÖBB- und Westbahn-Tickets wurden gegenseitig anerkannt.
Auch auf der Koralmbahn kam es am Samstag (18.7.) zu einer Unterbrechung des Zugbetriebs: Rund vier Stunden war der Koralmtunnel gesperrt, da sich, wie sich schließlich herausstellte, mehrere Jugendliche in den Bereich zwischen zwei Wagen außen an einem ICE gewagt hatten. Die Trainsurfer sollen Medienberichten zufolge im letzten Moment im Bahnhof Kühnsdorf-Klopheiner See auf einen ICE in Richtung Graz aufgesprungen sein und sich in den schmalen Nischen versteckt haben. Wartende Fahrgäste hätten dann ÖBB und die Polizei informiert, woraufhin der ICE an einer Nothaltestelle im Koralmtunnel gestoppt wurde. Zwei Jugendliche wurden aufgegriffen und bis St. Paul im Lavanttal gebracht, bevor ihnen die Flucht gelang. Da sie von einer dritten Person sprachen, wurde der gesamte Tunnel nach dieser abgesucht, aber ergebnislos beendet. Während dieser Zeit hatte es aus „Kapazitätsgrunden“ keinen Ersatzverkehr gegeben; der planmäßige Verkehr wurde am Abend wieder aufgenommen.

Direktverbindung Wien – Belgrad ab Dezember 2026
Von Wien direkt in die serbische Hauptstadt: Das geht ab Dezember 2026 wieder. Denn die Verbindung Belgrad – Budapest – Wien soll zunächst zweimal täglich in jede Richtung durch die serbische Staatsbahn ŽS angeboten werden. In Wien geht es am Westbahnhof jeweils um 8 Uhr und um 14 Uhr los; Belgrad wird dann rund sieben Stunden später, um 15:13 Uhr bzw. 21:13 Uhr, erreicht. Dort beginnt die Fahrt jeweils um 8:44 Uhr und 12:44 Uhr, wobei diese Zeiten noch unter Vorbehalt stehen. Zwischenhalte wird es von Wien aus unter anderem in Budapest Keleti, Kelebija und Subotica geben.
Maßgeblich für den start der Verbindung ist der neue Grenzübergang Prokop an der ungarisch-serbischen Grenze, an dem auch auf den neuen Verbindungen Grenzkontrollen stattfinden. Auch die Strecke von Belgrad zur ungarischen Grenze wurde in den vergangenen Jahren ausgebaut und in großen Teilen für 200 km/h ausgelegt. Ungarischen Berichten zufolge gebe es noch ungeklärte Fragen im Hinblick auf die Zugsicherung bei den durchgehenden Zügen: Während auf der Strecke von Budapest zur serbischen Grenze ETCS verbaut ist, wurde in Serbien ein chinesisches System eingebaut, dessen Kompatibilität noch ungeklärt ist.
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Italo besiegelt Kauf von 26 Velaros bei Siemens Mobility
Nachdem die Bundesnetzagentur in den letzten Wochen den Weg frei gemacht hatte, kam es gestern zum Vertragabschluss zwischen Italo und Zughersteller Siemens Mobility. Damit ist klar: Ab Ende 2028 wird das private italienische Unternehmen der DB im Hochgeschwindigkeitssektor die Stirn bieten. 26 achtteilige Velaro-Mehrsystem-Züge ähnlich der Baureihe 408 der DB (ICE 3neo) sind nun fix bestellt, mit einer Option auf 14 weitere. Die Fahrzeuge werden allesamt im Werk Krefeld gebaut und zudem im Rahmen eines 30-jährigen Full-Service-Instandhaltungsvertrages im Siemens-Mobility-Service-Standort Dortmund gewartet. Auch der Railigent X sowie Lösungen zur Flottenüberwachung zur vorausschauenden Instandhaltung während des gesamten Lebenszyklus. Der Auftragswert für Siemens Mobility liegt bei rund 3 Milliarden Euro.
Aufgenommen werden 2028 stündliche Verbindungen zwischen NRW und München sowie zweistündlich zwischen München und Berlin. Eine achtteilige Einheit wird 450 Sitzplätze in drei Klassen sowie einen Bistrowagen bieten und bis zu 320 km/h schaffen, von denen, wie beim ICE 3neo, in Deutschland nur maximal 300 km/h ausgefahren werden können. Dank ihrer Mehrsystemtechnik können die Züge allerdings unter vier unterschiedlichen Stromsystemen verkehren: mit 1,5 und 3 kV Gleichstrom sowie 15 und 25 kV Wechselstrom. Dass die Fahrzeuge künftig einmal also auch 320 km/h im Ausland erreichen können, ist nicht ausgeschlossen. Die neuen Züge werden mit integrierten Starlink-Antennen ausgestattet und ermöglichen den Fahrgästen so eine leistungsfähige satellitengestützte Internetverbindung.
Luca Cordero di Montezemolo, Präsident der Italo Holding, sprach gestern von einem „historischen Tag“. Es beginne ein „neues Kapitel“. Klar ist, durch den Markteintritt Italos werden in erster Instanz erstmal zusätzliche Verbindungen entstehen und der Druck auf die DB erhöht. Schließlich werden die nahezu gleichen Züge auf den gleichen Strecken in ähnlicher Zeit verkehren. Die tatsächlichen Entscheidungsgründe für die Wahl des Anbieters, die tatsächliche Qualität Italos sowie etwaige Folgen werden sich dann ab 2028 herauskristallisieren – Auch, wenn in den nächsten Tagen und Wochen sicherlich Stellungnahmen begrüßenswerter wie ablehnender Form von verschiedensten Akteuren veröffentlicht werden dürften.

Berlin: Vorstellung Nord-Süd-KISS und finaler Zuschlag S-Bahn
Nicht nur bei Italo kam es gestern zur großen Verkündung. Der Zuschlag für die erstmal 350 neuen S-Bahn-Züge für die Berliner S-Bahn an das Konsortium aus Siemens Mobility und Stadler konnte – bereits vergangene Woche – endlich erteilt werden. Nachdem der unterlegene Bieter Alstom wir berichteten von weiteren rechtlichen Schritten absah, schien das jahrelange Ringen rund um eine Lösung endlich beendet. Und nun ist es eben klar, wie es weitergeht: Die DB-Tochter S-Bahn Berlin GmbH wird weiterhin Betreiberin der Netze Nord-Süd sowie Stadtbahn sein und die neuen Züge, welche denen des Netzes Ring/Südost (BR 483/484) ähneln werden, betreiben. Gehören werden die Neufahrzeuge allerdings der neuen Landesanstalt Schienenfahrzeuge Berlin (LSFB) und werden über einen Instandhaltungsvertrag mit dem Lieferkonsortium 30 Jahre lang an den bestehenden Standorten gewartet. Zusätzlich wird ein neues S-Bahn-Instandhaltungswerk in Fredersdorf-Vogelsdorf in Brandenburg m östlichen Streckenast der S5 errichtet.
Die Einflottung der ersten der insgesamt eben 350 vierteiligen Halbzüge (es wird keine zweiteiligen Viertelzüge mehr geben) soll 2032 beginnen und 2038 abgeschlossen sein. Der Verkehrsvertrag läuft dann zunächst 15 Jahre. Das Gesamtvolumen des Projekts umfasst nun rund 15 Milliarden Euro. Absehbar ist, dass die Neufahrzeuge eben keine großen Unterschiede von jenen der Baureihe 483 aufweisen werden, auch, wenn es noch keine Visualisierung gibt. Verlautbart wurde bislang lediglich, dass es weitere Optimierungen bei der Effizienz des Antriebs, des Brandschutzes und der Cybersicherheit gibt, während das äußere Design erhalten bleiben soll. Die Altbaureihen 480 und 481 sollen komplett ersetzt werden.
Nicht von Siemens, aber auch von Stadler stammen zudem die neuen Züge des RE3 des Berliner Nord-Süd-Netz 2, welche Anfang Juli vorgestellt wurden. Es handelt sich um zwölf klassische KISS-Triebzüge, welche doppelstöckig rund 575 Sitzplätze und damit deutlich mehr Kapazität als bislang bieten. Mobilfunkdurchlässige Scheiben, Steckdosen und induktive Ladeflächen an jedem Platz sowie große Monitore für die Fahrgastinformation sollen zudem den Komfort verbessern. Ab Fahrplanwechsel im Dezember wird der RE3 eine durchgehende stündliche Verbindung zwischen Stralsund, Berlin und Lutherstadt Wittenberg bieten. Auch der RE4 und RE5 werden dauerhaft stündlich verkehren – allerdings mit modernisierten Doppelstocktriebwagen, auch fünf Stück, und E-Lok. Zum Betriebsstart im Dezember werden die Stadler KISS allerdings noch nicht zur Verfügung stehen, wie jetzt bekannt wurde. Daher wird auch der RE3 zunächst mit bestehenden Dostos bedient, welche von der RB24 und RB32 stammen. Diese wiederum werden dann vorrübergehend mit Talent-2-Zügen bedient.

Bayern: Mireo Plus H für Mühldorf vorgestellt + Tunnelbau 2. Stammstrecke vollständig vergeben
Nicht nur für Berlin wurden aber in letzter Zeit neue Züge vorgestellt: Vergangene Woche wurde der erste Wasserstoffzug für das Dieselnetz rund um Mühldorf präsentiert, der ab Dezember diesen Jahres unterwegs sein wird. Ab Fahrplanwechsel werden drei Mireo Plus H als erste Wasserstoffzüge in Bayern konkret auf der Strecke Mühldorf – Burghausen des „Liniensterns Mühldorf 2025+“ verkehren. Test- und Schulungsfahrten bei der DB Südostbayernbahn laufen bereits. Die Energieversorgung erfolgt über eine neu errichtete H₂‑Tankstelle von DB Energie in Mühldorf, die vollständig mit Ökostrom betrieben wird. Finanziert wird das Projekt über die Förderrichtlinie für alternative Antriebe im Schienenverkehr des Bundesverkehrsministeriums: 4,4 Mio. Euro fließen in die Fahrzeugbeschaffung; 3,8 Mio. Euro in die Tankstelleninfrastruktur. Mittel stammen zudem aus dem sogenannten Deutschen Aufbau- und Resilienzplan und der EU‑Fazilität NextGenerationEU. Die Umsetzung erfolgt durch die NOW GmbH und den Projektträger Jülich.
Viel investiert wird bekanntlich auch in München, wo die 2. Stammstrecke der S-Bahn Milliarden verschlingen wird. Nun wurde auch das letzte Tunnelbaulos im Münchner Osten vergeben, wo die Bauarbeiten noch in diese Woche beginnen sollen. Das Baulos umfasst den Abschnitt zwischen dem neuen Bahnhof unter dem Ostbahnhof und der Berg-am-Laim-Straße einschließlich des Rettungsschachts 9. Durch die Querung des gesamten Gleisvorfeldes am Ostbahnhof handelt es sich um einen komplexen Abschnitt, für den ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag aufgewendet wird. Die nun beteiligten Firmen sind bereits seit 2025 in die Planung eingebunden – Denn auch dieser Abschnitt entsteht im sogenannten Partnerschaftsmodell Schiene. Der tatsächliche Tunnelbau wird dann 2028 beginnen.
Schweiz

SBB-Neubeschaffungsprozess der IC 2000-Nachfolger verzögern sich
Dass die SBB mittelfristig einen Ersatz für die nach wie vor im Einsatz befindlichen Einheitswagen IV sowie die IC 2000 benötigen, ist schon länger klar. Ursprünglich sollte eine Vergabe schon Ende 2024, dann Ende 2025 erfolgen, doch nun verzögert sie sich bis 2027, wie eine SBB-Sprecherin erklärte. Verschiedene Erwägungen seien ausschlaggebend: Vor allem eine vom Bundesrat beauftragtes Gutachten bei der ETH Zürich zum «Verkehr ’45», dessen Infrastrukturprioritäten direkten Einfluss auf das zukünftige Angebot und damit auf das benötigte Rollmaterial haben. Die hierzugehörige politische Entscheidungsfindung dauert an; Verkehrsminister Rösti will die Botschaft an das Parlament Anfang 2027 vorlegen. Geplant sind Infrastrukturprojekte wie der Zimmerberg‑Basistunnel II, ein viertes Gleis in Zürich Stadelhofen, der Luzerner Tiefbahnhof sowie der Grimseltunnel. Im Fernverkehr sollen ein Viertelstundentakt Zürich – Bern und ein Halbstundentakt Bern – Luzern realisiert werden.
Parallel dazu prüfen die SBB neue Fahrzeugkonzepte, die mehr Flexibilität im Freizeitverkehr ermöglichen. Wegen steigender Velozahlen und steigenden Tourismuszahlen inklusive viel Gepäck erwägt man lokbespannte Züge, die sich leichter verlängern lassen und saisonal zusätzliche Wagen – etwa Velowagen – aufnehmen könnten. Zuletzt erwäge man aber auch wieder standardisierte Triebzüge, wie es nun heißt. Welches Fahrzeugkonzept schließlich ausgewählt wird, ist offen. Die SBB betonen jedoch, keine riskanten Neukonstruktionen wie beim FV‑Dosto zu wiederholen und auf bewährte Fahrzeuge zu setzen. Bei einem baldigen möglichen Neubeschaffungsprozess würde es sich um den umfangreichsten Auftrag seit den FV-Dostos handeln.
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